Motorradreisen und Dies und Das

Tag acht und neun

Meile 0 am Boardwalk in Ocean City

Seit Sonntag vormittag sind wir nun tatsächlich unterwegs auf dem Highway 50, bei allerdings sehr durchwachsenem Wetter. Schon beim Start in Ocean City ist es sehr trüb, die Fahrt über die Chesapeake-Halbinsel und die Bay Bridge ist grau, etwas kühl und eher langweilig. Immerhin regnet es nicht.

Doris fährt schon mal voraus, auf den nächsten 3073 Meilen werde ich sie schon einholen

Die Entscheidung, am Sonntag durch den Großraum Washington zu fahren, erweist sich als richtig, der Verkehr ist dünn, wir folgen dem Highway. Der führt direkt am Weißen Haus vorbei, wir halten nur kurz. Obwohl es immer noch eher kühl ist, beschließen wir, die erste Nacht im Zelt zu verbringen. Das Internet zeichnet einen Campingplatz in den Wäldern von Virginia aus, Mountain Lake Camp, klingt ja ganz gut.

Unser erster Zeltplatz in den Wäldern von Virginia

Der Platz ist eine sumpfige Wiese, wir sind die einzigen Zelter, am Eingang steht noch ein Wohnmobil aus Quebec. Die restlichen Bewohner sind Dauercamper, die gern ausrangierte Kühlschränke, Pick up-Wracks und weiteres Zeug um ihre Mobilhomes häufen. Die sanitären Anlagen entsprechen dem Standard eines rumänischen Campingpatzes der 80er.

Vielleicht hätte uns das Hinweisschild zum Campingplatz warnen sollen

Nun ja, wir sind müde und wollen nicht weiter, also bleiben wir. Eigentlich war die Fahrt von Washington bis her schon interessant. Der Highway 50 wird auf wenigen Meilen aus einer sechsspurigen Straße, die in die westlichen Suburbs in Virginia führt, zu einer ländlichen Straße. Sie schlängelt sich durch eine der wohlhabendsten Gegenden der USA mit riesigen Landhäuser, Gestüten, Weingütern und kleinen Dörfern. Sieht alles ein wenig wie in Südengland aus, sicher ein gewollter Effekt.

Eine halbe Stunde weiter im Westen wird es einsamer und erkennbar ärmlicher, der Wald dichter, die Straße wieder vierspurig.

Ach ja, die Nacht im Zelt. So gegen 23 Uhr lärmt unser Dauercamper-Nachbar mit seinem V8-Pickup auf den Platz, hält vor seiner Hütte, beginnt wie wild Holz zu hacken, das er auf die Ladefläche wirft. Nach einer Viertelstunde düst er wieder ab, kommt um halb 3 wieder. So ist das im ländlichen Virginia.

Wir verlassen den Platz gegen halb 10 und hoffen, dass unsere Motorräder jetzt wenigsten ihn wecken. Zumindest ich hoffe das.

Der zweite Tag auf der Straße ist etwas freundlicher, wettermäßig jedenfalls. Wir kurven durch West Virginia, es geht eher langsam voran. weil es bergiger wird.Der Highway ist nur zweispurig, windet sich durch die Allegheny Mountains. Wir durchqueren den südwestlichsten Zipfel Marylands, dann sind wir wieder in West Virginia. Hier ist der Frühling noch nicht so weit, die Bäume noch weitgehend ohne Grün. Das ändert sich etwas, sobald wir wieder in die Täler kurven.

Der Frühling kommt auch in West Virginia

Schließlich erreichen wir Grafton, wollen im Walmart Doris Nummernschild kopieren, damit sie nicht mehr mit dem albernen Karton hinten herumfährt. Das geht zwar bei Walmart nicht, doch die freundlichen Mitarbeiter verweisen uns an die örtliche Library. Dort verkleinert eine Mitarbeiterin das Schild, laminiert es ein, und alles für 1,50.  Wir montieren das neue Schild, der Karton kommt zu den Fahrzeugpapieren in den Rucksack.

Aus Ausgleich zur letzten Nacht gönnen wir uns die Trygart Lake Lodge, ein sehr schönes und preiswertes Motel im gleichnamigen State Park. Allerdings ist das Essen nicht ganz so brillant wie das Zimmer mit Seeblick.

Doris hat nun fast schon die ersten 1000 km auf ihre Sportster gefahren, sie macht das großartig, immerhin sind es ihre ersten 1000 Motorrad-Kilometer in freier Wildbahn.

Biker grüßen sich übrigens auch hier, es sind allerdings nur wenige, die auf dem Highway 50 unterwegs sind, gestern waren es insgesamt vier, zwei auf Harleys, die uns entgegen kamen und zwei mit R 1150 GS und Yamaha Fazer, die uns überholten.

Meist ist es ziemlcih einsam auf dem Highway 50

Über Eure Kommentare freuen wir uns übrigens sehr, sie erscheinen nur nicht sofort, weil ich sie erst freigeben muss.

2 Kommentare

  1. Michael

    Hallöle!

    Ich finds ja immer wieder toll, hier reinzuschauen. Ich muss mal demnächst auf einer Karte nachverfolgen, wo ihr denn überall wart bzw. gerade seid. Dass das Wetter nicht so prickelnd ist, nimmt euch hoffentlich nicht das Vergnügen. Immerhin laufen die Maschinen ja offensichtlich problemlos und tragen euch durch die Gegend, wie es ein braves Motorrad eben machen soll.
    Ich wünsche euch ganz bald Sonnenschein und gerade soviel Wärme, dass es gut auszuhalten ist.

  2. Tom

    Klasse Tagebuch!
    Freue mich jeden Tag, dabei zu sein, ohne Euren Aufwand teilen zu müssen 👍🏻
    Gratulation an Doris zum ersten 1000er 🏆
    Bei uns ist immer noch Topwetter und auch ich habe meine Motorradsaison eröffnet. Sieht aus, als gesellte sich sehr bald noch eine R100R zur K1100 in meine Garage 🙂
    Weiterhin gute Fahrt und ein paar nettere Begegnungen als die mit dem nächtlichen Holzhacker. Die Geschichte hätte auch der Auftakt sein können für einen ländlichen Psychothriller 😖
    Tom

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