Motorradreisen und Dies und Das

Tage 29 und 30: Angekommen

Okay, die US 50 sind wir nicht bis zum Ende durchgefahren. Aber 4500 Meilen von Küste zu Küste. Die letzte Etappe, gestern von Topaz Lake über den Tioga Pass war vielleicht etwas zu lang. Wir kommen kurz nach 20 Uhr bei Susanne und Josh in Menlo Park an, es ist sonnig und heiß hier ein paar Meilen südlich von San Francisco.

„gonna make it state by state, till I hit the Golden Gate, get my feet wet in the ocean…“

Das war östlich der Sierra Nevada noch ganz anders. Wir fahren in Topaz Lake bei sonnigen, aber kaltem Wetter los. Kurz vor dem Abbiegen zum Tioga Pass an einer Tankstelle treffen wir zwei weitere Motorradreisende, beide aus Kalifornien und unterwegs in die Mojave-Wüste. Der eine ist ein älterer Herr mit einer BMW K 1200 LT, der andere ein echter Biker mit einer Dyna Wide Glide, die einen noch lauteren Auspuff hat als meine.

Der Tioga Pass windet sich über 3000 Meter hoch durch die Sierra Nevada

Beide warnen uns, sie seien tagelang im Regen gefahren und durchgefroren, Zeit wieder in die Wüste zu kommen. Wir fahren am Mono Lake vorbei und biegen zum Tioga Pass ab. Mit jedem Höhenmeter wird es frostiger, die Regenwolken bedrohlicher, aber wahrscheinlich würde es ohnehin schneien, so kalt scheint es uns.

Der Stausee kurz vor der Passhöhe ist noch halb zugefroren. Am Eingang zum Yosemite hat sich schon eine Autoschlange gebildet, Memorial Day-Weekend. Einmal mehr macht sich unter Annual Pass bezahlt. Kleiner Tipp für US-Reisende: Es gibt einen Jahrespass für National Parks, kostet lächerliche 80 Dollar, online oder an jedem Park zu kaufen. Damit kommt man ein Jahr lang in alle National Parks und National Monuments, also auch Anlagen wie eine historische Ranch in Montana oder Bend’s Old Fort in Kansas. Lohnt sich bereits, wenn man drei oder vier Nationalparks besucht. Und er gilt immer für die komplette Autobesatzung (oder zwei Motorräder).

Schnee und Eis kurz vor der Passhöhe

Ein Ranger geht an der Schlange entlang, fragt nach dem Annual Pass, diejenige, die einen haben dürfen an der Schlange vorbei direkt in den Park fahren, super.  Wir halten uns nicht lang im Park auf, fahren die Passstraße runter, halten für ein paar Fotos, machen Pause an der Tankstelle.

Bergab in Yosemite

Dort treffen wir wieder Motorradfahrer, diesmal ein Paar aus der Nähe von Monterey, sie mit einer BMW K 1600 GTL, nicht so das typische Frauen-Motorrad, er mit einer BMW R 1200 RT. Sie scannt unsere Nummernschilder als wir parken und nuckelt an ihrer Elektro-Zigarette. Und fragt wenig später, ob wir tatsächlich aus Pennsylvania mit den Motorräder gekommen seien.

Wir plaudern ein Weilchen, sie erzählen, dass sie zuhause auch Harleys haben, diesmal aber mit den BMWs unterwegs seien. Und dass er auch noch eine Ducati Diavel hat, seit sie auf einer Italienreise das Werk in Bologna besuchten.

Uns läuft ein wenig die Zeit weg, wir wollen abends in Menlo Park sein. Nun wird es mit jedem Höhenmeter zum Meer hin sonniger und wärmer, wir halten für Burger, kaufen Kirschen und tanken in Oakdale.

Ein letztes Mal tanken in Redwood City

Diesmal kommen zwei ältere Biker mit Bauch, Tattoos und Zopf vorbei, auf Street Glide und Road Glide mit Xenonlicht, eingebautem Navi und Rückenlehne. Immer die gleiche Frage: Pennsylvania, really? Beide sind begeistert, dass jemand sowas macht, sagen beinahe entschuldigend, dass sie nur aus San Jose seien und eine kleine Wochenendtour machen.

Sie schütteln uns zum Abschied die Hände und der mit dem längeren Zopf sagt zum Abschied: you are a inspiration to us. Leider vergessen wir, die beiden zu fotografieren.

Die letzten Meilen nach Silicon Valley werden lang und mühsam, wir brettern über die Interstate in den Sonnenuntergang. Das ist nicht schön, wie es möglicherweise klingt, die Sonne blendet und im Gegenlicht sind die Linien und Unebenheiten kaum zu erkennen.

Dann biegen wir ab auf die Dumbarton Bridge über das südliche Ende der San Francisco Bay. Auf einmal riecht man ihn, bevor er zu sehen ist: der Ozean. Wir donnern über die Brücke, dann noch zwei Mal abbiegen, und wir sind angekommen.

Zwar fahren wir am nächsten Tag zur Golden Gate Bridge, gehen in Sausalito mit den Füßen in den Pazifik, 22 Tage nachdem mir das gleiche in Ocean City gemacht haben, 22  Tage und 4500 Meilen später. Doch der Moment, in dem für mich die Reise zu Ende ist, ist jener kurz vor der Brücke, als ich die Bay rieche.

„I’m runnin‘, I’m runnin‘ down the proud highway and as long as I keep movin‘ I won’t need a place to stay…“

Die beiden Harleys haben gehalten, die Sportster benötigte eine neue Batterie, an meiner sifft der rechte Gabelsimmering und ich mußte im Lauf der Tour ein Quart Öl nachkippen. Nun stehen sie eingedreckt und von Packtaschen und Reisegepäck befreit vor der Garage, morgen bringen wir sie zur Spedition. Und die ist anders als gedacht nicht in Oakland, sondern in Fremont – viel näher, auf der anderen Seite der Bay.

Dann haben wir noch eineinhalb Tage für Halfmoon Bay, Ozean, shoppen, die Füße hochlegen. Und vielleicht zum Lunch in den Googleplex. Mal sehen.

6 Kommentare

  1. seb.

    Wie stolz das aussieht, Ihr in San Francisco. Es war eine Freude, Euch im Blog begleiten zu dürfen, jeden Morgen bei der ersten Tasse Tee im Büro. Habt noch schöne Tage in Amerika.

  2. Tom

    Glückwunsch, Ihr Beiden zur gelungenen Kontinent-Durchquerung!!! 🍾🎉
    Auch Biker-Inspiration zu sein, ist doch genial!
    Mich würde interessieren, ob es sehr kompliziert und teuer ist, die Maschinen mit nach Deutschland zu holen. Hier müssen sie doch wahrscheinlich auch noch umgebaut werden, bevor die auf die Straße dürfen, oder?

  3. Michael

    Große Klasse. Vielen Dank für Bild und Text. Genießt die letzten Tage und lasst es euch gut gehen. Großes Kompliment an Doris. So eine Tour hat wohl selten jemand mit noch druckfrischem Einser-Lappen gemacht (ach, so heißt das heute bestimmt nicht mehr, und ein Lappen ist es ja auch nicht mehr) .

  4. Sonja

    Große Klasse! Herzlichen Glückwunsch! Werde den Blog vermissen, aber freu mich auch, wenn Ihr wieder in München landet!!

  5. Christoph

    Großes Kompliment zur vollendeten USA-Durchquerung! Das muss ein tolles Gefühl sein, wenn man es geschafft hat. Die Erlebnisse werden euch sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Schön, dass wir euch auf der spannenden Reise begleiten durften! Viele Grüße und kommt gut nach Hause!

  6. Hardy

    Willkommen im Coast to Coast Drivers Club!
    Grüß mir San Francisco und die Coyoten am Rodeo Beach.
    Wenn ihr in Pescadero vorbei kommt bitte den Tankstellen Mexikaner nicht vergessen, Nachos Grande, wie immer.
    Euch guten Flug zurück und Schiff ahoi für die Stahlpferde, zum Glück hat Donald noch keinen Ausfuhrzoll verhängt.

    Hardy

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